Geschichte des Kurfürstendamms

Der Kurfürstendamm wurde um 1542 als Dammweg vom Berliner Stadtschloss zum Jagdschloss Grunewald angelegt und diente zunächst als Reitweg für den Kurfürsten Joachim II. Der älteste Beleg für die Existenz dieses Dammes (damals noch ohne Benennung) ist der Plan géométral de Berlin et des environs des Ingenieurs La Vigne von 1685. Nach weiteren 100 Jahren taucht auf einer Karte von Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau von 1767 bis 1787 zum ersten Mal der Name Churfürsten Damm auf. Am 5. Februar 1873 schrieb Otto von Bismarck an den Geheimen Kabinettsrat Gustav von Wilmowski einen Brief, in dem er erstmals den Gedanken an den Ausbau zu einer besonderen Prachtstraße äußerte. Die Idee Bismarcks wurde aufgegriffen und man plante eine 25 Meter breite befestigte Straße. Aber Bismarck erreichte durch einen Einspruch, dass die Straßenbreite für den Ausbau am 2. Juni 1875 durch Kabinettsorder auf 53 Meter festgelegt wurde. Das war auch der Startschuss zur Anlage der Villenkolonie Grunewald, für die sich Bismarck ebenso einsetzte. Nach der Gründung der Kurfürstendamm-Gesellschaft am 22. Dezember 1882 konnte der Ausbau des Kurfürstendamms und der Villenkolonie nun beginnen.

In Halensee querte 1882 die Elektromote-Versuchsstrecke den Kurfürstendamm, das Elektromote gilt als erster Oberleitungsbus der Welt. 1886 war die Straße bereits fertig ausgebaut, die Entwicklung zum Boulevard konnte beginnen. Seither gilt der 5. Mai 1886 auch als der offizielle Geburtstag des Boulevard Kurfürstendamm.

Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelte sich der Kurfürstendamm in rasantem Tempo von einer vornehmen Wohnstraße des Neuen Westens zum Vergnügungs-, Kauf- und kulturellen Kommunikationszentrum. Als Bühne bürgerlicher Selbstdarstellung und Ort kulturellen Aufbruchs, unter anderem mit dem „Café des Westens“ (ab 1932 „Café Kranzler“) und dem „Lunapark“ trat er bald in Konkurrenz zur alten Prachtstraße Unter den Linden in Berlin-Mitte. Diese Entwicklung erreichte zur Zeit der Weimarer Republik ihren Höhepunkt, als der Kurfürstendamm für viele Menschen zum Synonym der Goldenen Zwanziger Jahre wurde, dies fand seinen Niederschlag zum Beispiel in der „Kakadu Bar“ an der Kreuzung mit der Joachimstaler Straße.

In den Jahren 1931 und 1935 kam es zu antisemitischen Übergriffen, den sogenannten „Kurfürstendamm-Krawallen“. In der Zeit des Nationalsozialismus ergaben sich Beschränkungen auf politischem und kulturellem Gebiet, die auch hier erhebliche Veränderungen zur Folge hatten. Den Olympischen Spielen verlieh der Kurfürstendamm 1936 mit seinem Flair noch internationalen Glanz, aber das, was er repräsentierte – wie intellektuelle Regsamkeit, internationale Verständigung, künstlerische Kreativität, Provokation, Freizügigkeit, Kommerz, Geist und Kultur – stand im Gegensatz zur nationalsozialistischen Ideologie und wurde immer mehr reglementiert. Mit der Vertreibung und Ermordung der Juden, die das Erscheinungsbild und die Ausstrahlungskraft des Kurfürstendamms mitgeprägt hatten, wurde der alte Geist endgültig beseitigt.
Kurfürstendamm (Blick nach Osten), Sommer 1945
Im Zweiten Weltkrieg wurden erhebliche Teile der Bebauung durch alliierte Luftangriffe zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte mit dem Ziel, den Kurfürstendamm in der Zeit des Kalten Krieges zum Schaufenster des Westens und Symbol für das Wirtschaftswunder auszubauen. Nach der Teilung der Stadt entwickelte sich nach der Währungsreform 1948 hier das Geschäftszentrum West-Berlins, die City West, insbesondere am Ostende in Richtung des Bahnhofs Zoo. Der umgangssprachliche Begriff Ku’damm wurde zum Inbegriff der Flaniermeile. 1954 wurden die den Kurfürstendamm in voller Länge befahrenden Straßenbahnlinien durch Omnibuslinien ersetzt.

In den 1960er und 1970er Jahren blieben die politischen Auseinandersetzungen in der Welt auch auf den Kurfürstendamm nicht ohne Auswirkungen, beispielsweise fand im Februar 1968 eine Großdemonstration gegen den Vietnam-Krieg statt.

Nachdem am Abend des 9. November 1989 die Mauer gefallen war, strömten die Ost-Berliner Bürger zunächst auf den Ku’damm. Bald jedoch sank die Bedeutung des Kurfürstendamms, da eine Rückbesinnung auf das historische Zentrum Berlins im Ortsteil Mitte einsetzte und das neu errichtete Viertel am Potsdamer Platz zusätzlich Konkurrenz schuf. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelt sich der Boulevard nach der Schließung von Kinos und alteingesessenen Cafés von der Ausgeh- und Amüsiermeile immer mehr zu einer exklusiven Einkaufsstraße. Neue Hotels sind entstanden, das legendäre „Café Kranzler“ wurde erneuert und um die Bühnen am Kurfürstendamm gibt es Auseinandersetzungen um ihren Erhalt bzw. Wiederaufbau.

Im Jahr 2011 wurden mehrmonatige Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Kurfürstendamms begangen. Sie starteten im Frühjahr mit einer Oldtimer-Ausstellung, die das im gleichen Jahr stattfindende Jubiläum „125 Jahre Automobil“ zum Thema hatte, gefolgt von einer drei Monate dauernden Ausstellung der United Buddy Bears sowie der Inszenierung einer französischen Straßentheatergruppe und im Oktober abschließend mit der Lichtinszenierung Festival of Lights.

Quelle: Wikipedia

Leben am Kurfürstendamm und in der City West